Die Plattform unter den Berichten: Microsoft Fabric als neues Datenfundament bei Telefónica Germany

Aufgabe
Telefónica Germany betrieb über Jahre eine gewachsene Reporting-Landschaft auf Tableau: 1.000 Reports von 300 Beschäftigten, dazu Extracts, Datenkopien und Varianten derselben Auswertung in verschiedenen Teams. Laura Ortner, Senior Lizenzmanagerin bei Telefónica Germany, beschreibt die Ausgangslage in ihrem Vortrag als „ein weitläufiges, unkontrolliertes Reporting-Ökosystem, das niemandem vollständig gehörte und niemand kontrollierte“. Am Anfang stand die Frage, was dieser Bestand kostet. Die Antwort führte zu einer zweiten Frage: Was davon braucht das Unternehmen tatsächlich, und worauf soll es in Zukunft laufen?
Der naheliegende Weg wäre gewesen, die Berichte eins zu eins in ein anderes BI-Werkzeug zu übertragen. Dann hätte Telefónica dieselbe Landschaft unter anderem Namen gehabt: dieselben Kopien, dieselben Schatten-Extracts, dieselbe Pflege. Der Auftrag an uns war ein anderer: eine Datenplattform auf Microsoft Fabric, auf der die Berichte einen gemeinsamen Datenbestand teilen, Berechtigungen an einer Stelle geregelt sind und der Betrieb beim eigenen Team bleibt. Power BI als Oberfläche war dabei der sichtbare, aber kleinere Teil.

Umsetzung
Am Anfang stand der Bestand, die Plattform kam danach. Nutzungsdaten zeigten, welche Reports geöffnet wurden und welche seit Monaten niemand mehr ansah. Ein Abgleich der Datenquellen zeigte, wo mehrere Workbooks dieselbe Tabelle jeweils auf eigene Weise luden. Redundanzen wurden identifiziert, Duplikate zusammengeführt, Namenskonventionen und Datenstrukturen überarbeitet. Was keiner nutzte, zog gar nicht erst mit um.
Dann entstand das Fundament, einmal und richtig: OneLake als gemeinsamer Speicher, darauf ein Lakehouse, in dem die Daten einmal liegen und von Pipelines, semantischen Modellen und Berichten gemeinsam genutzt werden. Aus Schatten-Extracts, die nachts liefen und deren Ergebnis niemand prüfte, wurden nachvollziehbare Ladeprozesse. Aus vielen Kopien derselben Tabelle wurde ein Datenbestand.

Berechtigungen haben wir zentral geregelt, über Rollen im semantischen Modell und die Verteilung über Arbeitsbereiche und Apps, statt in jedem Bericht neu. Deployments laufen über Pipelines von Entwicklung über Test nach Produktion und hinterlassen ein Protokoll. Die Fabric-Kapazität wird gemessen und gesteuert, damit die Kosten der neuen Welt nicht so unbemerkt wachsen wie die der alten. Im Bericht sieht man davon nichts. Im Betrieb merkt man es jeden Tag.
Die Berichte zogen in Wellen um, die komplexesten zuerst, damit der Rest Routine wurde. Tableau und Power BI denken verschieden; wir haben die Muster übersetzt statt der Formeln. Jede Welle wurde gegen die alte Welt abgeglichen und vom Fachbereich abgenommen, erst dann wurde umgeschaltet. Alte und neue Plattform liefen parallel, bis die Zahlen stimmten. Das Entwicklungsteam von Telefónica arbeitete in jeder Welle mit, am echten Bestand und auf der neuen Plattform. Ein umfassendes Trainingsprogramm lief von der ersten Welle an mit.

Ergebnis
Nach elf Monaten war die letzte Welle abgenommen und Tableau wurde abgeschaltet. Die Lizenz endete, und mit ihr der Betrieb einer Plattform, die niemand mehr brauchte. Das Reporting lief in dieser Zeit durchgehend weiter, für 300 Beschäftigte, kein Tag Stillstand.
Übrig geblieben ist das, worum es von Anfang an ging: ein Datenbestand in OneLake statt vieler Kopien, Berechtigungen an einer Stelle statt in jedem Bericht, Deployments mit Protokoll und eine Kapazität, deren Kosten sichtbar sind. Auf diesem Fundament laufen die Berichte in Power BI. Dieselben Daten stehen damit auch für das bereit, was als Nächstes kommt: Copilot, Auswertungen über Fachbereichsgrenzen hinweg und KI-Agenten, die verlässliche Daten brauchen, bevor sie etwas Verlässliches sagen können.
Eine der Hürden auf dem Weg zum datengetriebenen Unternehmen benennt Telefónica in seinem Vortrag selbst: „Wissen ist oft ausgelagert und liegt bei externen Beratern“, und muss dann mit Mehrkosten zurückgeholt werden. Deshalb liegt die Plattform dort, wo sie hingehört: in der Umgebung von Telefónica, unter eigenen Lizenzen, dokumentiert in Architektur, Berechtigungen und Deployments, getragen vom eigenen Team.
Ausblick
Eine Datenplattform ist fertig, wenn sie ohne uns läuft. Was auf ihr entsteht, entscheidet Telefónica selbst: weitere Quellen, die in OneLake dazukommen, Fachbereiche, die ihre Auswertungen auf demselben Datenbestand aufbauen, und Agenten, die auf genau diesem Fundament arbeiten. Das Fundament trägt mehr als die 1.000 Reports, mit denen es begann.
Für uns ist das Projekt der Maßstab, an dem wir jede Migration nach Microsoft Fabric messen: Bestand vermessen, Fundament einmal richtig bauen, in Wellen umziehen, parallel betreiben, abschalten, übergeben. Mit uns oder ohne uns.
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Piero Alessio
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